Mittwoch, 18.05.2005
Die Rückkehr
Während des Fluges, eine Reihe schräg vor mir, eine indische Familie mit einem etwa 2-jährigen Kind, welches die ganze (!) Nacht hindurch brüllte, quieckte, seine Eltern und die ganze Section terrorisierte. Ich wünschte mir nur, die Eltern hätten die Werbung berücksichtigt, in der sich ein Junge im Supermarkt auf den Boden wirft, strampelt und fürchterlich schreit, nur weil sein Vater ihm keine Süßigkeiten kaufen will, und die mit der Botschaft endet: "Kondome helfen."
Neben mir eine wirklich attraktive junge Kanadierin afrikanischer Herkunft auf der Reise in ihre Heimat Äthiopien. Hab' mich nett mit ihr unterhalten. Einziger Störfaktor: Ihre Mutter ...
In Berlin Empfang durch meine Frau Ellen. Almut und ihr Freund waren auch in Berlin. Besuch bei Eltern, Schwiegereltern und in der "Kulturbrauerei" in der Schönhauser in Prenzlauer Berg.
Am Donnerstag, 18. Mai, wird es dann die Vorstellung der Canadien Sweeties in der "Fressecke" geben.
Bis dahin!
Der Abschied
Es ist schon kurios, wie manche Sprachstudenten nach Toronto kommen. Anna und Franco fliegen immer mit Air France über Paris. Birgit startet in diesem Moment mit der Allitalia nach Rom, fliegt dann nach München, um anschließend mit dem Zug weiter zu fahren.
Am Freitag Nachmittag gab es ein Fußballspiel zwischen unserer und einer anderen Sprachschule. Aus unserem Paco-Dreamteam wurde das Paco-Dreamerteam. Wir haben so ungefähr 10:4 verloren. Es hatte keiner mehr mitgezählt.
Abends dann die wöchentliche Farwell Party, diesmal für Keiko, Tobias und mich.
Die Schüler
Die meisten Sprachschüler am English Spanish House in Toronto sind Studenten, die ihre Englischkenntnisse entscheidend verbessern wollen. Sie besuchen die Schule häufig für mindestens zwei Monate, manche sind ein halbes Jahr und länger hier. Die fortgeschrittensten besuchen die sogenannte TOEFL Class zur Vorbereitung auf die gleichnamige international anerkannte Prüfung, die für ein Studium an ausländischen Universitäten oft zwingend notwendig ist.
Japan und Südkorea sind am stärksten vertreten, gefolgt von Deutschland, Mexiko und Spanien. Hier ein paar markante Schülerpersönlichkeiten:
Yusuke - studiert in Japan Anglistik und will in Toronto erst mal richtig Englisch lernen.
Eugen - kam als 15-Jähriger aus Kasachstan nach Deutschland, lernte zielstrebig Deutsch, machte Abitur, arbeitete hart, um sich das Geld für den Englisch-Kurs zu verdienen, besucht die TOEFL Class.
Jeimy - siedelte vor drei Jahren mit ihrem damals 5jährigen Sohn von Venezuela nach Spanien über, braucht besseres Englisch für ihren Job.
Begoña - Spanien, wurde arbeitslos und verspricht sich von besserem Englisch mehr Chancen für die Zukunft, will 4 - 5 Monate in Toronto bleiben.
Anna und Franco - Italien, beide Mitte fünfzig, machen seit 15 Jahren jedes Jahr 4 Wochen Urlaub in Kanada, haben sich jetzt in Toronto eine Eigentumswohnung gekauft, wollen nach Eintritt der Rente für immer nach Kanada gehen.
Freitag, 13.05.2005
Letzter Schultag in Toronto
Da ich nicht weiß, wann ich wieder online sein kann, hier ein vorläufiges bye-bye. Ich werde mich nach der Reise noch einmal melden mit ein paar Reflections about the course. Nach etwa 3 Wochen wird das weblog gelöscht werden.
Mama Mia!
Habe gestern, am Mittwoch, Mama Mia gesehen. Das Musical steht hier kurz vor dem Spielplanende. Bis auf Restkarten ist alles ausverkauft. Ich hatte noch eine von zwei Einzelkarten vermutlich auf dem schlechtesten Platz des Hauses - 2. Rang, im Blickfeld ein paar Scheinwerfer und 3/4 Bühne und Platz für die Beine weniger als im Flugzeug Economy Class.
Trotzdem: It was just great!
Eine lustige Story, witzige Dialoge und die Musik ...
In Deutschland geht die englische Originalversion ab August auf Tournee. Den Bildern im WWW nach zu urteilen, müsste es genau die Toronto-Inszenierung sein. Nur, dass die Preise mehr als doppelt so hoch sein werden. Meine Karte hatte 26 kanadische Dollar (15 EUR) gekostet.
Ich hatte überlegt, ob ich am Donnerstag - einmal im Musical-Rausch - noch in Evita gehen sollte, angeblich eine der besten Evita-Inszenierungen überhaupt. Ich hab's dann sein lassen und lieber fast ein Dutzend CDs kopiert, die man (insbesondere Almut) für die TOEFL-Prüfung gut gebrauchen kann.
P.S.: Dass am Freitag "gestern" gleich Mittwoch ist, liegt wohl daran, dass es beim Posten dieses Eintrags bei Euch schon Freitag war.
Montag, 09.05.2005
Niagara Falls
Auf der Hinfahrt gab es eine kostenlose (OK, im Preis inbegriffene) Weinverkostung. Der Riesling-Eiswein war wirklich klasse. Allerdings habe ich mir eine schmale Flasche für 54 $ dann doch verkniffen. Als wir in die Straße eingebogen sind, von der aus man die Niagara-Fälle zum ersten Mal und gleich in voller Größe erblickt, hat Tim, der Busfahrer, das imposante Musikthema aus Superman abgespielt. Es war ungeheuer beeindruckend, einfach genial. Tim erklärte dann: "On the left the US falls, no much to see ... On the right the Canadian ones." Die Kanadier haben wirklich das wesentlich bessere Stück abbekommen (oder sich in den Kriegen des 18. und 19. Jahrhunderts zurückgeholt).
Abgesehen von den Wasserkraftwerken, ist um die Fälle auch eine riesige Tourismus-Industrie für alle Preislagen aufgebaut worden - von Fastfood-Buden bis zum Nobel-Casino ist alles da. In den drei Stunden Aufenthalt konnte man nicht alles sehen. Auf der Rückfahrt gab es noch einen Halt am Brock-Monument, einem bedeutenden Denkmal über die Unabhängigkeitskriege, und einen "Magic Stop" mit Blick auf die Skyline von Toronto.
Morgen muss ich eine Möglichkeit finden, um wenigstens 1 Akku-Set für die Kamera aufzuladen.
Toronto Islands
Wißt Ihr, was für ein Gefühl das ist, wenn man nach einer Party, kurz vor Mitternacht, auf dem Weg zur U-Bahn, im Bewusstsein, dass man am nächsten Tag vor dem Frühstück erst einkaufen muss, plötzlich einen Supermarkt sieht, der ganz selbstverständlich noch geöffnet hat und alles anbietet, was man braucht? Für mich mit meinen deutsch geprägten Gewohnheiten war es wie ein Wunder. Und diesmal gab es sogar deutsches Brot ("Tiefenfurter Landbrot - Farmers Rye-Bread").
Am Samstag hab ich dann die Toronto Islands besucht, eine Inselgruppe wenige Kilometer vor Toronto. Die Inseln wurden zu einem herrlichen Erholungsgebiet ausgebaut mit Wanderwegen, Spielplätzen, Yachthäfen u.v.m. Es gibt auch eine ganz normal bewohnte Insel mit schätzungsweise 40 Einfamilienhäusern.
Am Abend beim Bearbeiten der Fotos ist es dann passiert. Ich wollte die Web-Galerie komplett löschen, um sie neu zu erstellen, und habe aus Versehen nicht die Web-Galerie, sondern die hochauflösenden Originalfotos gelöscht. Und damit es schneller geht, ohne Papierkorb. Es ging schnell ...
Freitag, 06.05.2005
Auf dem höchsten Turm der Welt
Die Fahrstühle liegen außen am Rand des Turms und haben eine gläserne Wand.
Der Clou ist ein Stück gläserner Fußboden auf der Aussichtsplattform. Es kostet unwahrscheinlich viel Überwindung, da drauf zu treten und senkrecht nach unten zu gucken. Ich hab's einmal gemacht und meine Fußspitzen über dem Nichts fotografiert. Danach hab ich es vorgezogen, nicht noch einmal darauf zu gehen. More see http://www.cntower.ca Die Fotos sind übrigens bereits online.
So, jetzt kommt das zweite und letzte Wochenende in Toronto - wieder mausamputiert. Am Sonntag will ich zu den Niagara Falls.
Dienstag, 03.05.2005
Mit den Öffentlichen durch Toronto
"Fahrscheinkontrolle. Die Fahrausweise bitte." Dieser mitunter Schrecken verbreitende Ausruf kann einem hier nicht begegnen. Es gibt keine Fahrscheine. Am Eingang zur U-Bahn (Subway) befinden sich Drehkreuze. Die lassen einen nur durch, wenn man eine Monatskarte durch den Leser gezogen hat oder einen Chip (Token) eingeworfen hat. Leider sind die Tokens so klein, dass nicht mal ein 1-Cent-Stück in den Schlitz passt - das hab ich heute aus Versehen ausprobiert. Am personell besetzten Schalter kann man auch einen Papierfahrschein einwerfen oder einen kaufen, ebenso in Bus und Straßenbahn (Streetcar) beim Fahrer. In letzteren gibt es aber kein Wechselgeld.
Ist man einmal "drin" (hinter der Sperre) kann man beliebig oft umsteigen und das Verkehrsmittel wechseln. Für das nächste Verkehrsmittel kann man sich vom Fahrer oder vom Automaten eine Umsteigekarte geben lassen. Häufig fahren Busse und Streetcars auch in die Absperrung der U-Bahn, so dass man keine Umsteigekarte braucht.
Das Streckensystem ist denkbar einfach. Es gibt praktisch 2 Subway lines (theoretisch 4). Die eine verkehrt von West nach Ost, die andere U-förmig von Nordwest nach Süd und weiter nach Nordost - und das ganze natürlich auch zurück. Busse und Streetcars fahren fast immer nur entlang einer einzigen Straße - entweder in Ost-West- oder Nord-Süd-Richtung. Man kommt immer rechtwinklig von einem Punkt zum anderen.
Ein Einzelfahrschein kostet 2,50 $ (CAD). Für 20 $ erhält man 10 (oder 9?) Tokens. Die Monatskarte "Metropass" kostet 100 $ und damit kann man überall fahren. 1 CAD (kanadischer Dollar) = 0,6 EUR. Die Öffentlichen werden von der TTC unterhalten. TTC steht für "Toronto Transit Commission".
Montag, 02.05.2005
Vom Pub bis zur Downtown
Der Freitag war der schönste und wärmste Tag bisher. Aber ich konnte ihn nicht für Fotos nutzen. Hatte Unterricht bis 16.15 Uhr, abends waren wir dann in einem Pub - einem Riesenschuppen mit zahlreichen Räumen, Theken, Bars, Billard und natürlich an jeder Ecke ein TV mit dem aktuellen Basketball- oder Baseballspiel.
Vorher in der letzten Stunde (Einzelunterricht) hat mir die Lehrerin Alexis erzählt, dass sie um 2001 rum drei Jahre in Deutschland gelebt hat, davon 2 Jahre in Berlin. Sie hat damals Inhouse-Englisch-Unterricht für die Mitarbeiter einer großen Firma gegeben. Die Firma fängt mit B an und baut Flugzeuge, Eisenbahnen und andere große Dinge ...
Am Abend im Pub hab ich dann ihr Deutsch getestet. Es ist noch recht gut.
Der Samstag war wieder kalt und verregnet. Zuerst musste ich einkaufen. Der Vorteil dieser riesigen Multikulti-Stadt ist, dass jede Bevölkerungsgruppe ihre Lebensmittel eingebracht hat. Obwohl es sonst meist kein gescheites Brot gibt, im Supermarkt bei meiner WG gibt es diverse polnische Brotsorten, sogar polnisch beschriftet. Es gibt diverse europäische Wurst- und Käsesorten. Es leben viele Italiener hier. Hier könnte ich gut überleben. Nur die Deutschen sind in Toronto kaum präsent. Ich habe nur Philadelphia und Nutella gesehen. Aber damit hätte auch Almut ihre wichtigsten Grundnahrungsmittel ...
Nach dem Frühstück habe ich trotz des Wetters die Downtown, den südlichsten zentralen Bereich Torontos, der bis an den Ontario-See heran reicht, besucht und Fotos gemacht. Auf dem CN-Tower war ich nicht. Für den happigen Eintritt wollte ich nicht nur Regenwolken sehen.
Sonntag, 1. Mai. Die einzige Mai-Demo, die ich gesehen habe, war ein langer Zug von Dudelsackspielern. Und in der Subway saß ein Mann mittleren Alters mit einem großen Sticker "Against racism" am Mantel. Aber vielleicht hatte beides nichts mit dem 1. Mai zu tun.
Ich bin ein gutes Stück die Queens Street entlang gelaufen. Sonntags haben fast alle Geschäfte geöffnet, die Gaststätten sowieso. Dann durch Chinatown - auch hier viel Trubel. Im Hard Rock Café habe ich was gegessen. Bis jetzt hab ich noch keine Gaststätte oder Restaurant gefunden, wo das Essen nicht verdammt an Fastfood erinnert hätte. Aber die Musik war gut und laut.
Sonntag abend habe ich dann Martins und meine Beiträge in den gemeinsamen Reisebericht über den Mexiko-Besuch gesteckt. Den schicke ich jetzt gleich an Martin, damit er ihn abschließt und weiterleitet.
Zum Glück hatte ich meinen Schleppi kurz vor der Abreise noch mit zahlreichen MP3s gefüttert, so dass ich hier beim Schreiben gute Musik hören kann - über Kopfhörer. Im TV in der WG gibt es nur 2 Programme: Sport und Gameboy oder wie die Klickimaschinen auch immer heißen mögen. Oh nein, Samstag spät Abend haben Perry und ich noch den Film über die Feuerwehrleute mit John Travolta gesehen.